Notleidende Banken

Notleidende Banken wurde Unwort des Jahres 2008, weil es das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Finanzkrise auf den Kopf stelle, so die Begründung der Jury.

Und nachdem nicht nur Weihnachten für die Banker gerettet wurde,

Quelle: Titanic

sondern auch sämtliche andere Feste bis ins Jahr 2525, sei die Frage gestattet, wie Sozialsparprogramme (Hartz IV) der Regierung zu rechtfertigen sind. Wir erinnern uns an meinen Beitrag vom 13.5.2008: „Warum werden Gewinne kapitalisiert und Verluste sozialisiert?“ Und wo sind die Milliardengewinne der letzten Jahre eigentlich geblieben? Zumindest die amerikanischen Banker an der Wall Street zahlten sich für ihre „großartige“ Leistung in aller Öffentlichkeit Boni in Höhe von 18,4 Milliarden aus.

Wilfried Ganguin hat in der Rotenburger Rundschau vom 7.1.2009 ein Beispiel genannt, das die Gründe für die Finanzkrise verständlich erklärt:

Eine Barbesitzerin – nennen ich sie mal Renate – in der Innenstadt einer Kleinstadt beschließt, um den Umsatz zu steigern, die Getränke der treuen Kundschaft – mehrheitlich Alkoholiker ohne Arbeit – aufzuschreiben (ihnen also Kredit zu gewähren). Das spricht sich herum und dadurch drängen sich immer mehr Kunden in Renates Bar. Da die Kunden sich um die Bezahlung keine Sorgen machen müssen, verteuert Renate die Preise für Wein und Bier, die meistkonsumierten Getränke, und erhöht damit ihren Umsatz.

Der junge und dynamische Kundenberater der lokalen Bank sieht in diesen Kundenschulden wertvolle künftige Guthaben und erhöht die Kreditlinie für Renate. Er macht sich keine großen Sorgen, er hat ja die Schulden der Alkoholiker als Deckung. Am Sitz der Bank transformieren top ausgewiesene Banker diese Kundenguthaben in Suffbond, Alkbond und Kotzbond um. Diese Papiere werden weltweit gehandelt. Niemand versteht zwar, was die Abkürzungen bedeuten und wie sie garantiert werden. Da die Kurse aber steigen, werden die Papiere ein Renner.

Eines Tages und obwohl die Kurse immer noch steigen, stellt ein Risk Manager (inzwischen selbstverständlich entlassen – Begründung: Er war zu negativ) der Bank fest, dass man die Schulden der Alkis von Renates Bar langsam einfordern sollte. Die können aber nicht zahlen. Renate kann ihren Kreditverpflichtungen nicht nachkommen und macht Konkurs. Suffbond und Alkbond verlieren 85 Prozent, Kotzbond hält sich besser und stabilisiert sich nach einem Verlust von 80 Prozent.

Die Lieferanten hatten Renates Bar längere Zahlungsfristen gewährt und zudem in Papiere investiert: Der Weinlieferant geht Konkurs, der Bierlieferant wird von einem Konkurrenten übernommen. Die Bank wird durch ein Finanzhilfepaket des Staates gerettet…

Quelle: Rotenburger Rundschau

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.