Amoklauf-Zensur

Der Amoklauf von Emsdetten verursacht letzte Nachwehen in der Presse – „die Schule wurde wiedereröffnet“. Und mittlerweile glaubt jeder Hans und Franz, dass es an den Killerspielen lag. Meinen Artikel dazu findet ihr hier und diesen gelungen Beitrag „Negermusik verbieten!“ bei row-people.de.

Nach langer Überlegung habe ich mich dazu entschieden, den Abschiedsbrief des Täters zu lesen und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass er alles andere als einen Realitätsverlust erlitten hat! Marcel Bartels schreibt dazu im Kommentar seiner Seite:

Genau deshalb habe ich den Abschiedsbrief hier veröffentlicht. Wenn man den Hass mal beiseite schiebt, dann ist in der Abschiedsbrief zwar immer noch sehr wirr, es kommt aber auch eine tiefgehende Gesellschaftskritik zum Ausdruck.
Da lese ich etwas von Politikern, die Gesetze erlassen, die Dinge verbieten, von Schule, die einem Schüler erklärt, dass er ein Verlierer ist, da ist von Jocks die Rede, die meinen aufgrund von teuren Klamotten oder schönen Mädchen an der Seite über anderen zu stehen, da ist die Rede von einer durch die Medien erzeugten Illusion und so weiter und so fort.

RTL und Bild veröffentlichten ebenfalls den Abschiedsbrief, der als „Original“ und „nicht korrigiert“ angepriesen wurde. Allerdings wurde der Brief sehr wohl zensiert und sinnverfälscht, wie dieser Beitrag zeigt. Und das (wen wundert’s?) auch in den medien- und konsumkritischen Passagen.

Die Zensur ging indes weiter. Die Webseiten und Foren, auf denen der Täter sich mitteilte, wurden weitestgehend gelöscht, wie gulli.com recherchierte. Er wirft die Frage auf, ob die Zensierer „sich zu Handlangern von Akteuren machen lassen, deren Hauptinteresse offenbar in einer öffentlichen Diskussion besteht, die von Fakten und Originalquellen möglichst wenig belastet wird.

Die entscheidende Frage ist, ob nicht viel eher die Politiker unter Realitätsverlust leiden… Sie schreien Killerspiel-Verbot und haben ihren Sündenbock gefunden. Die Ursachen des Amoklaufes liegen aber ganz woanders, wie der Abschiedsbrief zeigt.

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