Bulimie-Lernen zur Prüfung

Es ist doch immer wieder eine Überraschung, wie einfach es ist, einen Professor in einer mündlichen Prüfung davon zu überzeugen, dass man Ahnung hat. Thema der heutigen Prüfung war „Modellierung und Simulation“ sowie „Integrierte Software- und Organisationsentwicklung“. Vielleicht fragt sich der ein oder andere, was die beiden Bereiche miteinander zu tun haben?! Nun:

  • In MuS geht es um ereignis- und prozessortientierten Modellierung. Es geht um die Simulation von Hafenanlagen und Arztpraxen. Es geht um Optimierung und um ein eigens entwickeltes Framework zur Simulation, welches auf den Namen DESMO-J hört.
  • In ISO geht es um Standardsoftware, Business Process Reengineering, Organisationstheorie, IT-Governance und ITIL.

Einen Zusammenhang zwischen den beiden Bereichen gibt es m.M. nach nicht, auch wenn es eine beliebte Prüfungsfrage ist. Wäre sie mir heute gestellt worden, hätte ich geantwortet: „Dass es der Kompaktheit des Bachelorstudiengangs geschuldet ist, dass die beiden Bereiche zusammen gelegt wurden.“

Zur heutigen Prüfung habe ich meine Lernmethodik geändert: Vorher habe ich sämtliche Folien nochmal abgeschrieben, um sie mir besser einzuprägen – das Problem: Das war so viel Aufwand, dass das Wiederholen der Inhalte zu kurz kam.
Diesmal habe ich es so gemacht, dass ich die Folien immer wieder durchgelesen habe und die letzten Tage habe ich mir die Prüfungsprotokolle angeguckt und mir eigene Antworten auf die Fragen überlegt und innerlich vorformuliert. Wenn man das innerliche Vorformulieren nicht macht und gleich bei der ersten Frage ins Stocken gerät, ist die Prüfung eh gelaufen: Der Prof fragt nach, du wirst unsicher und auch wenn du es dann richtig erklärst, bleibt ein schlechter Nachgeschmack.

Heute war es so, dass ich gleich gut in die Prüfung gekommen bin. Der Trick ist, die Prüfung dahin zu lenken, wo du Ahnung hast. Wenn du eine Frage gestellt bekommst, die du nicht beantworten kannst, beantworte deine eigene Frage, die ähnlich ist und die du beantworten kannst.
Mal ein Beispiel: Ich wurde gefragt, wie die Definition von IT-Governance ist. Ich habe aber keine Definition gegeben, weil diese mir gerade nicht klar war (hey, ich lerne doch keine Wirtschaftsinformatiker Definitionen auswändig!!! ;)), sondern ich habe die Aufgaben der IT-Governance wieder gegeben. Der Prüfer hat dann zwar nachgefragt, was denn die IT-Governance ist, aber dadurch, dass ich schon die Aufgaben genannt habe, war ihm klar, dass ich weiß, was gemeint ist. Da reichte ihm dann auch eine sehr informelle Definition, weil ich ihm ja die Aufgaben schon nennen konnte. Außerdem kommt man nicht ins Stocken, sondern wirkt dem Prüfer gegenüber sicher.

Außerdem ist es wichtig, wie man an die Prüfung heran geht: Ich finde zwar auch, dass eine punktuelle Überprüfung des Wissens wenig Sinn macht. Aber wenn man eine Prüfung so sieht, dass man dem Prüfer einen Sachverhalt einfach nur erklären muss, bereitet man sich richtig vor und empfindet auch die Prüfungssituation als nicht so schlimm (HILFE! Vor mir sitzt eine Koryphäe in dem Fachgebiet, der nur darauf wartet, dass ich etwas falsch mache!!! AHH!!!) an.

Das Fazit der Prüfung war wirklich gut. Obwohl ich todmüde war (schlafen vor Prüfungen ist nicht mein Ding und morgens ist einfach nicht meine Zeit) und nachher doch sehr offen meine Lücken bei der ITIL (Ja! Guckt euch mal die verlinkte Wikipedia-Seite an: Nur nichts aussagendes Wirtschaftsblabla) zugegeben habe, habe ich dennoch eine 1.0 bekommen. Begründung: Der bislang beste Prüfling, selbst da, wo nicht nur an der Oberfläche gekratzt wurde, wusste ich Bescheid, Transferwissen vorhanden, konnte prägnant und ruhig alle Zusammenhänge erklären.. Das geht doch runter wie Öl!

Schade, dass ich schon eine Diplomarbeit habe. Der Professor wollte mich doch gleich für seinen Fachbereich begeistern und „Simulationen“ sind jetzt ja auch nicht uninteressant.

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