Vorlesung

Pendel in Wellenform

Posted on: Mai 31st, 2011 by crille 4 Comments

 

Sehr beeindruckender Effekt, der damit erklärt werden können sollte, dass die Längen der Fäden untereinander einen bestimmten Abstand haben:

[via 9gag]

Ist es so, dass es eine gemeinsame Grundfrequenz gibt und die verschiedenen Pendel Harmonische dieser Grundfrequenz sind? Ich meine sowas mal in meiner Lieblingsvorlesung Multidimensionale und Multimodale Signale gehört zu haben...

Piraterie im Netz

Posted on: Februar 16th, 2011 by crille No Comments

 

Bereits in diesem Artikel habe ich die zwei kontrovers diskutierten Positionen in der wissenschaftlichen Literatur zum Thema "Filesharing im Internet" vorgestellt:

  • Filesharing ist schlecht, weil jeder illegal heruntergeladener Song/Film/Buch ein legal gekauftes Buch/Song/Film weniger bedeutet
  • Filesharing ist gut, weil man so das Risiko senken kann, ein Song/Film/Buch zu kaufen, von dem man enttäuscht ist. Man stellt durch illegale Downloads fest, welcher Künstler einem gefällt und kauft Werke später auch.

Raubkopierer sind Verbrecher

Wenn man die Kampagne "Raubkopierer sind Verbrecher" (im juristischen Sinn ist es kein Verbrechen, sondern ein Vergehen) der Contentanbieter wie der Film-, Musik- oder Buchindustrie anschaut, sind sie ganz klare Verfechter der ersten These. Der sinkende Absatz in der Musikindustrie seit Napster & Co. spricht natürlich auch für einen negativen Effekt von Filesharing, es könnte aber auch an folgenden Punkten liegen:

  • Zusätzliche alternative Unterhaltungsmöglichkeiten (Internet)
  • Schlechtere Qualität in der Musikindustrie
  • Plattensammlung ist komplett von Vinyl auf CD umgestellt

Beispiele für einen positiven Effekt von Filesharing

Seltener wird in der Öffentlichkeit aber der positive Effekt von Filesharing wahrgenommen und diskutiert. So hat Monty Python ihre Sketche in hoher Qualität auf Youtube gestellt mit dem Hinweis versehen, dass diese Sketche auch auf Amazon gekauft werden können.
Wohl jeder würde davon ausgehen, dass die Absatzzahlen der DVD-Boxen bei Amazon einbrechen, weil man im Internet bei Youtube jederzeit auf das Material in hoher Qualität zugreifen kann. Das genaue Gegenteil ist passiert: Die Absatzzahlen sind um 23.000% gestiegen!  [via slashfilm]

Neil Gaiman (Autor) ist ebenfalls einen gewagten Schritt gegangen und hat festgestellt, dass der Austausch im Netz "eine unglaublich gute Sache" ist. In diesem Video erklärt er, warum er seine Meinung gegenüber Piraterie geändert hat:

"Then I started to notice that two things that seemed much more significant. One of which was that places where I was being pirated -- particularly Russia (where people were translating my stuff into Russian and spreading it out into the world) I was selling more and more books. People were discovering me through being pirated. And then they were going out and buying the real books, and when a new book would come out in Russia it would sell more and more copies."

Er hat sein Bestseller "American Gods" nach dieser Beobachtung zum freien Download auf seine Internetseite gesetzt und danach 300% mehr Bücher verkauft. Neil Gaiman erklärt, dass Piraterie wie das Verleihen von Büchern an "gute Freunde" funktioniert. In Vorlesungen fragt er seitdem sein Publikum wie viele Leser ihren Lieblingsautor durch das Leihen eines Buchs vs. den Kauf eines Buchs gefunden haben. Nur 5-10% der Leser haben durch den Kauf einen Lieblingsautoren gefunden.

Effekte des Copyrights in der Geschichte

Einen besonders interessanten Artikel habe ich zum Effekt des Copyrights im Spiegel gelesen. Zum Glück befindet er sich auch im Internet frei verfügbar: Geschichte - Explosion des Wissens.

Während in England das Copyright dazu führte, dass Bücher als Luxusgut für einen elitären Kreis gesehen wurden, gab es in Deutschland lange Zeit gar kein Urheberrecht (in Preußen wurde es erst 1837 eingeführt, konnte aber aufgrund der Kleinstaaterei nicht durchgesetzt werden). Das führte dazu, dass in Deutschland pro Jahr 1.000 mal mehr Werke (v.a. Schriften mit Naturgegenständen aller Art (Medizin, Landwirtschaft, Gewerbe)) veröffentlicht wurden als in England und so der rückständige Agrarstaat Deutschland innerhalb kurzer Zeit zur ebenbürtigen Industrienation aufstieg. Das Fazit des Textes

"Aus diesem regen wissenschaftlichen Diskurs hat sich die Gründergeneration entwickelt", so Höffner. Jene Zeit brachte spätere Großindustrielle wie Alfred Krupp und Werner von Siemens hervor.

Einfluss des File Sharings auf die Musikindustrie

Posted on: Dezember 17th, 2010 by crille No Comments

 

Ich saß gestern in der Vorlesung Medienmanagement. Ein Fach, welches ich sehr interessant finde. So wurde gestern der Frage nachgegangen, welch einen Einfluss das File Sharing auf die Musikindustrie hat. Generell gibt es diesbezüglich in der Literatur 2 Theorien:

  1. Das File Sharing ist böse, weil ein illegal heruntergeladenes Lied nicht gekauft wird
  2. Das File Sharing hat einen positiven Effekt, da das File Sharing dazu führt, dass man sich mit Musik auseinander setzt. Man weiß, welche Musik einem gefällt und deswegen gibt man im Endeffekt mehr für Musik, Merchandise und Konzerttickets aus

Welch einen Einfluss die Piraterie wirklich auf die Musikindustrie hat, wird nach wie vor kontrovers diskutiert und ist nicht endgültig geklärt.

Als Beispiel für eine solche Studie haben wir uns mit "The Effect of Digital Sharing Technologies on Music Markets: A Survival Analysis of Albums on Ranking Charts" beschäftigt. Ich will euch nicht mit Statistiken, Instrumentenschätzer und einer Schätzung mit 2-Stage-Least-Square langweilen, aber dennoch kurz vorstellen, wie die Wissenschaftler vorgegangen sind und welches Ergebnis sie gefunden haben:

  • Die Wissenschaftler haben sich die Chartsdaten vor Mitte 1998 anguckt und nach Mitte 2000 (in der Zwischenzeit ist Napster an den Start gegangen, MP3s wurden immer beliebter etc.)
  • Anstatt den Absatz von CDs als Erfolgsindikator zu nehmen, haben die Wissenschaftler die Platzierung in den Charts genommen
  • Dabei wurde folgendes festgestellt:
    • Die Überlebensdauer in den Charts hat sich insbesondere für niedrig platzierte Alben reduziert
    • Alben von Superstars werden weniger geshared
    • Weniger beliebte Alben (geringe Debut-Position) werden durch File-sharing stärker getroffen als Top-Alben
    • Für Top-Alben (hohe Debut-Position) kann kein signifikanter Einfluss des File-sharing festgestellt werden

Irgendwie kommen mir die Ableitungen spanisch vor.. Ok, die Daten besagen, dass hoch platzierte Alben nach wie vor lange in den Charts bleiben, während Alben, die beispielsweise auf Platz 90 einsteigen, jetzt deutlich schneller wieder aus den Charts verschwinden.

Daraus aber abzuleiten, dass Alben von Superstars weniger geshared werden und dass unbekannte Interpreten durch File Sharing härter getroffen werden, halte ich für äußerst fraglich und aufgrund des Erfolgsmaß "Platzierung in den Charts" auch überhaupt nicht für beweisbar.

Meine Theorie

für die beobachteten Daten ist folgende:
File Sharing betrifft alle Alben, besonders die der Superstars. Da aber der Musikmarkt ein Starmarkt ist (also einige wenige Stars dominieren den Markt, während die kleinen sich mit dem "mickrigen Rest" gegnügen müssen), schlägt sich das höhere File Sharing-Volumen bei Super Stars nicht auf deren Platzierung bzw. Überlebensdauer in den Charts nieder.
Um zu erklären, weswegen die Alben auf den niedrigen Plätzen schneller wieder aus den Charts verschwinden, muss man in Betracht ziehen, dass man seit MP3, Napster etc. immer weniger verkaufte Alben braucht, um überhaupt in den Charts zu landen. Das bedeutet aus meiner Sicht, dass die Abstände der Verkaufszahlen zwischen den niedrigen Platzierungen enger geworden sind und deswegen die Alben mit niedriger Platzierung schneller aus den Charts fliegen. Denn die kleinsten Schwankungen der Verkaufzahlen haben nun eine größere Auswirkung auf die Chartsplatzierung.

Ameisenmühle

Posted on: September 18th, 2010 by crille No Comments

 

..oder warum Ameisen doch ziemlich blöd sind.

In meiner Software-Agenten Vorlesung mussten Ameisen oft als Vorbilder herhalten: Die einzelne Ameise ist für eine bestimmte Aufgabe erschaffen, Millionen von Ameisen betreiben ein großes, komplexes System, das ihr überleben garantiert und dennoch gibt es keine übergeordnete Instanz, die bestimmt, leitet oder organisiert. Das System eines Ameisenvolkes löst dabei komplexeste Aufgaben (die Blattschneiderameise bspw. züchtet einen speziellen Pilz, von dem sie sich ernährt), obwohl es niemanden gibt, der bestimmt, wie etwas zu lösen ist. Die Lösung verschiedener Aufgaben ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Millionen Individuen - ein sich selbst organisierendes System.

Wie funktioniert die Kommunikation bei den Ameisen? Mit Geruchsstoffen. Bei Wanderameisen kann es dabei zu einem verhängnisvollen Phänomen kommen: der Ameisenmühle oder in der englischen Wikipedia Ant mill genannt. Dabei verliert eine kleine Gruppe von Ameisen die Geruchsspur der übrigen Ameisen und beginnt, der eigenen Geruchsspur zu folgen. Das Ergebnis: Die Ameisen geraten in eine kreisförmige Bewegung, aus der sie nicht mehr ausbrechen können und in die immer mehr Ameisen geraten. William Beebe hat als erster dieses Phänomen beschrieben. Er entdeckte eine Ameisenmühle, die 365 m Umfang hatte und jede Ameise brauchte dabei 2,5 Stunden für eine Umdrehung.

In diesem Video ist auch eine Softwaresimulation einer Ameisenmühle enthalten:
[youtube _N8gQzTPNBk]

[via Nerdcore]

 

Eigentlich ist es ganz schön bitter. Da studiert man und merkt wie langsam aber sicher eine vollkommen neue Generation von Studenten die Hörsäle erobert. Sie sind jung (verdammt jung!), sie laufen zu 90% mit 'nem Netbook herum und sitzen in der Vorlesung in erster Linie, um  in der Onlinewelt zu surfen und ihre Gärten zu bepflanzen bzw. ihre Farm zu vergrößern.

Ich überlege gerade, ob es - als ich angefangen habe - ähnlich zuging. Und ja, es war so. Allerdings wurden diejenigen, die sich in der Vorlesung mit anderen Sachen beschäftigten, relativ schnell raus gesiebt. Teilweise war es in den ersten Vorlesungen im Hauptstudium dann derart ruhig, dass man man sich auch dann konzentrierte, wenn man es eigentlich nicht wollte. ;o) Von daher ist die Vorlesung mit den Bachelor-Studenten schon ganz ok.

Aber stricken während der Vorlesung finde ich schon sehr skurril.